Auslandstierschutz - von schwarzen Schafen und großen Herzen

Nach meinem Besuch in der LIDA, einem Tierheim auf Sardinien, dass unter anderem von dem deutschen Tierschutzverein STREUNERHerzen betreut wird, (die von meinem neuesten Buch FINN SEELENSPIEGEL pro Buch einen Euro bekommen) gehen mir die Bilder der Tiere und der Zustände dort nicht aus dem Kopf. Obwohl die Gehege groß sind und Tageslicht haben, die meisten Tiere nicht nur Haut und Knochen sind und es ganz offensichtlich eine gute ärztliche Betreuung vor Ort gibt, verfolgen mich die Augen der Tiere seither.
Immer wieder gibt es jede Menge Gegner und Verunglimpfer des ausländischen Tierschutzes. Angeblich handelt es sich bei den Tierschützern nur um Profitgeier, die auf Kosten der einheimischen Tierheime einen Reibach machen wollen.

In der Regel sind die Dinge meist weder schwarz, noch weiß, und Lösungen sind selten einfach. Natürlich könnte man argumentieren, die ausländischen Tiere nehmen den einheimischen die Chancen auf Vermittlung. Aber ist das wirklich so? Wieviele einheimische Tierheime nehmen aus Mangel an heimischen Hunden ausländische Hunde in Pflege? Wieviele unvermittelbare Hunde sitzen in deutschen Tierheimen? Als wir nach unserem ersten Hund suchten, fanden wir in Berlins größtem Tierheim fast nur Hunde in Schäferhundgröße, Listenhunde oder Hunde, die als aggressiv oder extrem ängstlich galten. Keinen von denen haben wir uns als Ersthundehalter zugetraut. Wir wollten einen "normalen" Hund. Mittelgroß, weder besonders aggressiv, noch besonders ängstlich, eben einen Anfängerhund.

Den fanden wir im ausländischen Tierschutz. Natürlich haben auch diese Hunde ihre Herausforderungen für uns parat - und das nicht zu knapp (alles nachzulesen im Buch FINN SEELENSPIEGEL). Einige von ihnen haben auf der Straße überlebt und sind gewöhnt, eigene Entscheidungen zu treffen. Menschen gegenüber sind sie dagegen oft skeptisch und die Erfahrungen mit ihnen sind nicht selten negativ geprägt. Völlig unsozialisiert, was die Menschenwelt betrifft, kommen sie bei uns an und tragen ihre Geschichte in jeder Körperzelle mit. Nein, es ist nicht immer einfach, einem Hund aus dem Ausland ein Zuhause zu geben und ihm beizubringen, dass Leckerchen und Plüschsofa schöner ist, als die Freiheit am Strand... und das sollte jedem, der überlegt, einen Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben, klar sein.

Apropos Freiheit: Ein Argument der Gegner des Auslandstierschutzes ist, dass es den Tieren in Freiheit viel besser ginge als in unserem reglementierten Deutschland. Teilweise ist das so (ein gutes Buch dazu ist STREUNER! von Stefan Kirchhoff) und sicher möchte nicht jedes Tier, dass diese Freiheit kennt, unbedingt mit Fiffi vom Sofa tauschen.
Und vielleicht stimmt das so tatsächlich, wenn.... ja wenn sie in Freiheit leben können und weder gefangen, noch gejagt werden (das Hundefängerdasein ist in vielen Ländern ein lukratives Geschäft). Wenn sich bei Krankheit jemand ihrer erbarmt. Wenn es Menschen gibt, die sowohl Futter, als auch Wasser bereitstellen (was teilweise auch zum Glück geschieht). Wenn Welpen nicht von ihren Mütten getrennt, und in Mülltonnen oder Schluchten entsorgt würden, wenn Autofahrer, die ein Tier verletzen, nicht weiterfahren, sondern das Tier zum Arzt bringen würden. Ziemlich viele "wenns", und dazu kommt, dass in vielen Ländern die Hunde nicht frei leben DÜRFEN. Sie werden eingefangen und weggesperrt, damit sie den Touristen nicht die Pizza aus dem Mund betteln und der weiße Strand makellos und hundekotfrei ist. (Der Plastikdreck der Touris wird sang- und klanglos im Morgengrauen entsorgt... ist doch klar, was tut man nicht alles für das Geld der Touristen).
Pauschalurteile über den Auslangstierschutz sind also für mein Gefühl ziemlich deplaziert. Sind die Hunde ersteinmal im Tierheim, nimmt das Drama seinen Lauf. Zu wenig Futter, pralle Sonne, keinen Schutz vor Wind und Regen, viel zu viele Hunde, Rangkämpfe, Futterneid, Krankheit, Langeweile, Ausweglosigkeit, Angst - das volle Programm.

Wir haben zwei Hunde aus dem ausländischen Tierschutz. Was wäre aus ihnen geworden, wenn sie nicht mit Hilfe von Tierschützern und Spendengeldern aus dem Heimen herausgeholt worden wären?

Natürlich gibt es jede Menge schwarzer Schafe auch im Tierschutz, nicht jeder Tierschützer ist ein Gutmensch und es gibt reichlich "Tierschützer", die Impfpässe fälschen, Parasitenbehandlungen "vergessen", vor Ort nichts zur Besserung der Situation unternehmen, für die Kastration ein Fremdwort ist, die die Tiere ausschließlich als Geldquelle sehen und die ihre Spendengeldern hübsch auf ein fettes, persönliches Konto in die Schweiz transferieren und denen egal ist, ob der vermittelte Hund in die Familie passt.

Und es gibt andere. Vereine, die die Ausfuhr der Tiere über TRACES abwickeln, ein Datenbanksystem, in dem der gesamte Tierverkehr in und außerhalb der EU erfasst wird. In- und ausländische Veterinärämter sind darüber verknüpft, jedes Tier wird sehr kurz vor Ausreise von einem Amtstierarzt untersucht, die Impfpapiere werden kontrolliert, der Chip ausgelesen, Pässe verglichen. Die Kontrolle über TRACES ist engmaschig, die meisten Tiere werden mit privaten Flugpaten nach Deutschland geholt. Es gibt Menschen mit einem unglaublich großen Herz UND Verstand, die vor Ort helfen und aufklären, Kastrationsprogramme durchführen und Hunde in verantwortungsvolle Hände vermitteln incl. Vor- und Nachsorge der Familien und ihrer Adoptanten. Menschen, die ihre persönlichen Gelder für das Wohl der Tiere ausgeben und jede Menge Freizeit opfern. Die auf eigene Kosten quer durch die Republik fahren, um Hunde vom Flughafen abzuholen und als Pflegestelle eines Tierschutzvereins die Neuankömmlinge an ein Leben in einer Familie und in Deutschland gewöhnen.

 

Jeder, der sich für einen Hund aus dem Ausland interessiert, hat die Möglichkeit, sich im Vorfeld zu vergewissern, das "sein" Verein seriös ist. Jeder, der "mal eben schnell" einen Hund adoptieren will, nicht vier Wochen warten kann, damit z.B. die Tollwutimpfung greift, nicht bereit ist, seine Türen für eine Vor- und Nachkontrolle zu öffnen, für den ist ein Hund von einem seriösen Tierschutzverein sicher nicht das Richtige. Aber dieser Mensch wird auch nicht bereit sein, auf einen Welpen von einem seriösen Züchter zu warten, sondern im schlimmsten Fall zu einem billigen Vermehrerhund greifen und damit das unglaubliche Hundeelend unterstützen und Menschen sein Geld in den Rachen schieben, die du und ich nicht mit der Kneifzange anfassen möchten. Im besten Fall lässt dieser Mensch einfach die Finger von einem Tier und kauft sich einen Stoffhund...

Und das Argument, mit der Schutzgebühr würden die Vereine jede Menge Geld einstreichen, kann man getrost auch als schlecht informiert abhaken: Die Schutzgebühr von einem seriösen Verein deckt selten alle Kosten wie Impfungen, Kastrationen, Hundeboxen für den Flug, Fluggebühren, Papiere, Medikamenten usw..

Es geht mir nicht darum, den ausländischen Tierschutz über den Klee zu loben, die Probleme der heimischen Tierheime unter den Teppich zu kehren oder die Augen vor den schwarzen Schafen aus der Tierschutzszene zu verschließen. Es geht mir darum, das Bewusstsein dafür zu öffnen, VORHER genau zu schauen, an welche Organisation ich mich wende, wen ich unterstütze, woher ich mein zukünftiges Familienmitglied bekomme und wie die Menschen vor Ort, und hier mit ihren Schützlingen umgehen. Und es geht mir darum, nicht zu unterscheiden zwischen "unseren"  deutschen Tieren und "deren" Tieren. Es sind Lebewesen, und alle Lebewesen haben ein lebenswertes Leben verdient.

Nur wenn wir alle hinschauen, kann den schwarzen Schafen das Handwerk gelegt werden und der Ruf des in- und ausländischen Tierschutzes wird der Mühe, Opferbereitschaft und Liebe gerecht, mit der die Menschen dort - meist ehrenamtlich - arbeiten.

Übrigens bin ich bisher nicht im Tierschutz tätig - mein Engagement begrenzt sich bisher auf Geldspenden.

Ich habe das Video gemacht (einige kennen es bereits), damit es Bewusstsein schafft für die Zustände in Tierheimen. Es ist nicht nur Werbung für FINN SEELENSPIEGEL, es zeigt die Normalität, den Alltag für die Tiere, ohne so grausam zu sein, dass unsere Seelen die Bilder kaum aushalten können. Und es zeigt zwei gesunde, fidele Hunde, die dem Tierheim entkommen sind und zwar nur, weil Menschen nicht weggeschaut haben.
Musik anmachen nicht vergessen....

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

Liebe Grüße von Aruna mit Finn & Ella

 

Finn Seelenspiegel - Ein Buch über die ersten Jahre mit meinem Tierschutzhund

 

Ein Euro pro Buch (egal ob Print oder eBook) kommt den STREUNERHerzen zu Gute.

 

Im Onlinehandel oder bei der Buchhandlung vor Ort zu bestellen....
oder einfach auf den "hier erhältlich-Button" drücken :-)...

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Kommentare: 1
  • #1

    Johannes Reher (Montag, 12 Juni 2017 07:54)

    Liebe Aruna, wie schön, dass sie dich gerufen haben ud du das Rufen gehört hast und ihm gefolgt bist:-))
    viel Segen mit deiner Arbeit und deinen zauberhafte Hunden...
    Herzensumarmung
    Johannes